Warum die meisten Routinen im dritten Monat sterben
Die Neuheit trägt acht bis zehn Wochen. Was danach kommt, entscheidet darüber, ob eine Routine bleibt — und das hat wenig mit Willen zu tun.
Es gibt ein Datum, an dem in vielen Betrieben die guten Vorsätze sterben, und es liegt erstaunlich verlässlich im März. Das wöchentliche Zahlengespräch, das im Januar eingeführt wurde, findet noch statt, aber unregelmäßig. Der Freitagsrückblick ist zweimal ausgefallen. Das Kundengespräch, das jede Woche geführt werden sollte, hat zuletzt vor drei Wochen stattgefunden.
Die übliche Erklärung lautet Disziplin. Sie ist bequem, weil sie eine Charakterfrage aus einer Konstruktionsfrage macht — und sie erklärt nicht, warum ausgerechnet der dritte Monat so verlässlich ist.
Was in den ersten Wochen trägt
Eine neue Routine läuft am Anfang nicht auf Disziplin, sondern auf Neuheit. Sie ist interessant, sie ist beschlossen, man erinnert sich an sie, weil sie noch heraussticht. Dieser Effekt hält nach den Schilderungen, die uns vorliegen, etwa acht bis zehn Wochen. Danach ist die Sache normal geworden — und normale Dinge fallen einem nicht mehr von selbst ein.
Ab diesem Punkt braucht die Routine etwas anderes als Interesse: einen Auslöser. Und genau der fehlt bei den meisten, weil die Routine an eine Uhrzeit gekoppelt wurde statt an ein Ereignis.
Uhrzeiten sind schwache Auslöser
„Freitags um 16 Uhr" funktioniert, solange der Freitag um 16 Uhr frei ist. Beim ersten Kundentermin, der sich überschneidet, verschiebt sich die Routine — und eine verschobene Routine ist in der Praxis eine ausgefallene. Beim zweiten Mal fällt sie schon leichter aus, weil es einen Präzedenzfall gibt.
Ereignisse sind stabiler. „Nach dem letzten Kundentermin der Woche", „Sobald der Wochenbericht im Postfach liegt", „Nach dem Abschließen der Werkstatt" — solche Auslöser verschieben sich mit dem Tag, statt an ihm zu zerbrechen.
Die Kopplungsformel
Nach [bestehender Ablauf] mache ich [kleinste Version der neuen Routine] an [festem Ort].
Alle drei Teile sind nötig. Der bestehende Ablauf liefert den Auslöser, die kleinste Version senkt die Schwelle, der feste Ort erspart die Entscheidung, wo es stattfindet. Fehlt einer der drei, hält die Kopplung die Normalität nicht aus.
Die kleinste Version
Der zweite verlässliche Fehler ist die Größe. Wer sich eine Stunde Wochenrückblick vornimmt, braucht eine freie Stunde — und die gibt es in schlechten Wochen nicht, also fällt der Rückblick genau dann aus, wenn er am meisten nützen würde.
Brauchbar ist die Frage: Was ist die Version, die auch am schlimmsten Tag des Quartals noch möglich ist? Oft sind das drei Zeilen statt einer Seite. Diese Version ist nicht das Ziel, sie ist der Boden — an guten Tagen darf es mehr sein, aber der Boden fällt nie weg.
Der Tag, an dem ich aufgehört habe, jede Rechnung selbst zu prüfen, war der Tag, an dem das Unternehmen angefangen hat zu wachsen. Es hat mich ein halbes Jahr Überwindung gekostet.
Der Ausfall gehört eingeplant
Jede Routine fällt aus. Entscheidend ist nur, was beim ersten Ausfall passiert. Wer sich vorher eine Regel gibt — „einmal aussetzen ist normal, zweimal hintereinander nicht" —, behandelt den Ausfall als Ereignis statt als Urteil über sich selbst. Das klingt nach Wortklauberei, ist aber der Unterschied zwischen einer Lücke und einem Ende.
Der Einwand
Nicht jede gestorbene Routine ist ein Scheitern. Manche Verfahren werden eingeführt, weil sie in einem Ratgeber standen, und sterben, weil sie im eigenen Betrieb nichts erklären. Das ist kein Disziplinproblem, sondern eine berechtigte Entscheidung — sie wird nur selten als solche ausgesprochen.
Wer eine Routine aufgibt, sollte deshalb einmal laut sagen, dass er sie aufgibt. Damit endet sie, statt im Kopf weiterzulaufen und dort Aufmerksamkeit zu verbrauchen.
Was bleibt
Die Frage ist nicht, ob man diszipliniert genug ist. Sie lautet: Woran hängt diese Routine, wenn sie nicht mehr neu ist? Wer darauf keine Antwort hat, kann den dritten Monat gleich in den Kalender schreiben.
Offenlegung zu diesem Beitrag
- Status
- Beispielbeitrag dieser Vorlage. Text, Recherchegrundlage und Zitate stammen von der Redaktion und beruhen auf keiner durchgeführten Erhebung. Vor der Veröffentlichung durch eigene, belegte Inhalte ersetzen.
- Grundlage
- Redaktionsgespräche und Selbstprotokolle von Teilnehmenden der Erhebung zur Titelgeschichte dieser Ausgabe. Keine repräsentative Untersuchung; die Zeitangaben sind Beobachtungen, keine Messwerte.
- Zitat
- Erfundenes Beispielzitat. Die Aussage gibt kein geführtes Interview wieder; Alter, Branche und Bundesland dienen nur der Einordnung. Vor dem Livegang durch ein echtes Zitat mit dokumentierter Freigabe der befragten Person ersetzen.
- Interessen
- Für diesen Beitrag wurde kein Entgelt geleistet. Es bestehen keine wirtschaftlichen Beziehungen zu genannten Personen oder Unternehmen. Enthält keine Affiliate-Links.
- Charakter
- Redaktioneller Beitrag. Keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder Gesundheitsberatung im Einzelfall.
- Korrekturen
- Hinweise auf Fehler an redaktion@dererfolg.at — Korrekturen werden am Ende des Beitrags vermerkt.
Weiterlesen
Die Angst vor dem leeren Kalender
Viele Selbständige füllen freie Tage reflexhaft mit Terminen. Was dahintersteckt — und warum Leerlauf zur Arbeit gehört.
Wie man aufhört, die beste Fachkraft im eigenen Betrieb zu sein
Der häufigste Engpass wachsender Unternehmen sitzt in der Geschäftsführung. Ein Weg heraus, in vier Schritten.