Die Zehn-Minuten-Bilanz
Drei Zeilen am Abend. Nicht als Selbstprüfung, sondern als Buchhaltung über die eigene Aufmerksamkeit.
Von allen Verfahren, die in dieser Ausgabe vorkommen, ist dieses das kleinste — und dasjenige, das in den Gesprächen am häufigsten als brauchbar bezeichnet wurde. Es kostet zehn Minuten am Tag und beantwortet nach vier Wochen eine Frage, die sonst niemand beantworten kann.
Das Format
Drei Zeilen, jeden Abend
1. Arbeit am Unternehmen: Was habe ich heute getan, das über heute hinaus wirkt?
2. Arbeit im Unternehmen: Was habe ich getan, das erledigt werden musste und morgen wieder anfällt?
3. Der Satz: Was hat mich heute am meisten Zeit gekostet, ohne dass ich es geplant hatte?
Kein Formular, keine Bewertung, keine Punkte. Handschriftlich in ein Heft oder in eine einzige Textdatei — Hauptsache immer an derselben Stelle, damit man vier Wochen später alles hintereinander lesen kann.
Warum es funktioniert
Der entscheidende Unterschied zu den üblichen Tagesrückblicken liegt in der Haltung: Es wird nichts bewertet. Es gibt keine gute und keine schlechte Zeile, keine Zielerreichung, kein Häkchen. Es ist Buchhaltung, nicht Zeugnis — und deshalb hält es länger durch als jedes Verfahren, das mit Vorsätzen arbeitet.
Die dritte Zeile ist die wertvollste. Einzelne Störungen erscheinen für sich genommen wie Zufall. Nach vier Wochen steht dort dieselbe Sache acht Mal — ein bestimmter Kunde, ein bestimmter Ablauf, eine bestimmte Software. Das ist keine Erkenntnis, die man durch Nachdenken bekommt. Man bekommt sie nur durch Aufschreiben.
Die kleinste Version
An schlechten Tagen genügt ein Strich in Zeile eins und ein halber Satz in Zeile drei. Das ist ausdrücklich erlaubt. Ein Protokoll mit Lücken ist brauchbar; ein Protokoll, das nach zwei Wochen abbricht, weil die Ansprüche zu hoch waren, ist es nicht.
Der Einwand
Das Protokoll ersetzt keine Zahlen. Es beschreibt, wohin die Aufmerksamkeit der Geschäftsführung geht — nicht, ob das Unternehmen verdient. Wer daraus Schlüsse über den Zustand des Betriebs zieht, verwechselt Beschäftigung mit Ergebnis, und das ist genau der Fehler, den es aufdecken soll.
Und: Wer die drei Zeilen zur abendlichen Selbstanklage macht, hört nach zwei Wochen auf. Wenn beim Lesen ein schlechtes Gefühl entsteht, ist die Formulierung falsch gewählt — dann gehören die Zeilen nüchterner geschrieben, nicht ehrgeiziger.
Was bleibt
Nach vier Wochen liegt eine Seite vor, die niemand für Sie schreiben kann. Danach entscheiden Sie, ob es weitergeht. Die meisten, die es vier Wochen durchgehalten haben, hören nicht mehr auf.
Offenlegung zu diesem Beitrag
- Status
- Beispielbeitrag dieser Vorlage. Text, Recherchegrundlage und Zitate stammen von der Redaktion und beruhen auf keiner durchgeführten Erhebung. Vor der Veröffentlichung durch eigene, belegte Inhalte ersetzen.
- Grundlage
- Rückmeldungen von Teilnehmenden der Selbstprotokoll-Erhebung zur Titelgeschichte dieser Ausgabe. Keine repräsentative Untersuchung; die Wirkungsbeschreibung beruht auf Selbstauskünften.
- Interessen
- Für diesen Beitrag wurde kein Entgelt geleistet. Es bestehen keine wirtschaftlichen Beziehungen zu genannten Personen oder Unternehmen. Enthält keine Affiliate-Links.
- Charakter
- Redaktioneller Beitrag. Keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder Gesundheitsberatung im Einzelfall.
- Korrekturen
- Hinweise auf Fehler an redaktion@dererfolg.at — Korrekturen werden am Ende des Beitrags vermerkt.
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